


Ich dachte, das fehlt hier
Mitten in Haidhausen, einem der schönsten Münchener Stadtviertel, leitet Petra Lock seit 2004 erfolgreich ihr Kindermöbel und -modegeschäft „Engel & Bengel“. Während in den vergangenen Jahren rundherum konkurrierende Läden eröffneten und wieder schlossen, führt die Inhaberin ihr Unternehmen mit Ehrgeiz, Klugheit und vorausschauenden Ideen sicher auch durch langanhaltende Krisenzeiten.
Wer gerade noch an der Inneren Wiener Straße an schicken Designerläden und flotten Cafés entlangflanierte, um schließlich bei „Engel & Bengel“ über die Schwelle zu treten, erlebt ein Déjà -vu zurück in die eigene Kindheit: Zur Rechten ein Schrank, in dem sich Stofftiere, Köfferchen, Puppen, Bilderbücher, Autos und Bauklötze in einem sympathischen Durcheinander bis unter die Decke drängen. Davor stapeln sich auf einem Tischchen fein säuberlich Babybodys und andere winzige Kleidungsstücke. Bunte Lampenschirme und lautlos tanzende Mobilefiguren füllen den Raum zwischen dem Oben und dem Unten.
MOBILIAR IN WEISS
Zur Linken trägt ein stabiles weißes Holzbett mit zart gemusterter Bettwäsche seinen Teil zur Wohnlichkeit bei. Über weißen Lampenschirmen schweben üppige goldene Barockengel. Ein Gang gibt den Blick in die hinteren Räume frei, wo weiteres Kinderzimmermobiliar in Weiß und teils bemalt perfekt zwischen Pünktchen, Vichy-Karos und der Farbigkeit von Patchwork-Decken zur Geltung kommt. „Engel & Bengel“ gehört zu den „schönsten Läden des Jahres“ fand das Magazin „Brigitte“ schon 2006.
Während man noch grübelt, wo der Kaufladen-Charakter des Haidhauser Fachgeschäfts wohl herrühren mag, deutet Inhaberin Petra Lock auf den Ladentisch, auf dem die Kasse neben einer großen Glasvitrine steht: „Das sind alte Bäckereimöbel. Schön, aber nicht immer praktisch“, sagt sie und lacht ergeben. Damit ist die 46-jährige Münchnerin gleich bei ihrem liebsten Thema – den Möbeln. Nach fast zwei Jahrzehnten in der Krankenpflege, selbstständig mit einem ambulanten Dienst, machte Petra Lock aus ihrem Hobby einen Beruf und begann, antike Kindermöbel zu sammeln, diese auch selbst nachzubauen und zu verkaufen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Wir hatten von Anfang an eine gute Presse und es sprach sich herum“, sagt Lock bescheiden.
„EIN SUPER-ECK!“
Bei der Verwirklichung ihrer Ideen hatte sich die Geschäftsfrau nicht nur auf ihre Intuition verlassen, sondern auch Zahlen zur Lage vom Einzelhandelsverband angefordert. Fazit: „Ein Super-Eck!“ In der Nähe des Gasteigs, des Wiener Platzes und des Hofbräukellers profitiert „Engel & Bengel“ von den vielen Touristen, die beim Sightseeing vorbeikommen. Darüber hinaus wohnen im Viertel viele kaufkräftige Familien mit Kindern.
Aber auch die beste Lage hilft ohne Konzept nicht lange weiter. „Zwölf Kinderläden gab es hier. Heute sind es nur noch die Hälfte“, erzählt Petra Lock. Die Idee, bereits früh einen Online-Shop einzurichten und sich das nötige Handwerkszeug dafür selbst beizubringen, ist ein Indiz für die Innovationsfreude und Risikobereitschaft der dreifachen Mutter, die sich selbst als „eher kreativen, optischen Typ“ beschreibt. Noch ist sie mit dem Online-Verkauf nicht zufrieden. Es sei sehr aufwändig, Produkte ins Internet zu stellen und dann von den Kunden gefunden zu werden; von der Logistik ganz zu schweigen. Drei ihrer zwölf Mitarbeiter sind mit dem Online-Shop betraut, dessen neuer Auftritt gerade Premiere hatte. Sie selbst, sagt Petra Lock, pflege lieber den direkten Kontakt zu Kunden und Herstellern. Letztere schauten sehr gern bei ihr im Laden vorbei: „Gerade amerikanische Modefirmen haben wir zurzeit sehr viele. Es vergeht kein Tag, an dem nicht jemand etwas anbietet.“
Neben handbemalten Möbeln etwa von „isle of dogs“, werden bei „Engel & Bengel“ Textilien und Geschenkartikel von „Lexington“, „Green Gate“, „Cath Kidston“ oder „Rice“ angeboten, dazu kommen Kinderbekleidung und Schuhe von Marken wie „Converse“, „Volltreffer“, „imps & elfs“, „Petit Bateau“ oder „bellybutton“. Seit 2009 gibt es auch ausgewählte, hochwertige Trachtenkleidung für Kinder, die durch ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei München-Besuchern wie München-Bewohnern gleichermaßen beliebt sind.
„Für’s eigene Herz“ stellt Petra Lock schon mal „kleine Kunstgeschichten“ in den Laden – so wie vor kurzem witzige bunte Drahtfiguren. Die waren im Nu verkauft, was den guten Riecher der Inhaberin für Dinge, die „laufen“, einmal mehr bestätigte. Es gibt noch viele Ideen, die auf die Umsetzung warten, aber „momentan hängen noch zu viele Bereiche an mir“.
